Abgezählt – ein Stimmungsfragment

Auch die Augen zusammenkneifen, dachte er, konzentrierte sich auf seinen Mund und seine Augen und zählte jede Wiederholung eines exakt einstudierten Lächelns, bevor sein Nachbar Gerhard die Tür öffnete: eins, zwei, drei, vier, fü…
Der sonnige Herbsttag war vorüber, die Nacht schlich durch die Vorgärten, befeuchtete das Gras und drängte die Bewohner der Einfamilienhaussiedlung in ihre Häuser. Keine kratzenden Schneeschaufeln, kein plätschernder Frühlingsregen, kein sommerliches Zirpen der Grillen, kein herbstliches Rascheln, nichts war an diesem Abend zu hören.
»Hallo, Gerhard, da bin ich! Vielen Dank für die Einladung!« Fünf. Er reichte Gerhard die Hand, schüttelte sie absichtlich kräftig und hielt ihm schwungvoll die festlich verpackte Flasche Wein, die er selbst zu seinem Geburtstag erhalten hatte, entgegen. Seine Augen schmerzten, als er aus dem Flur an den Esstisch im überbelichteten Wohnzimmer herantrat. Wie erleichternd und befreiend die Dunkelheit sein könne. Sechs.
»Wie schön Dich zu sehen, Katharina! Lass Dich umarmen!« Katharina, Gerhards Frau, umarmte ihn in der ihr eigentümlichen Weise, er würde sagen: gar nicht, weil sie zwar die Arme zu einer umarmenden Geste formte, sie ihn aber keineswegs berührten. Wie sehr er sich über die Einladung freue, wiederholte er mehrmals und sah Katharina tief in die Augen. Sieben. Zu Nummer acht und neun zwangen ihn Leonard und Anne-Sophie, die engsten Freunde von Gerhard, und Katharina.
Am penibel gedeckten Esstisch saßen sie zu fünft, zwei erfolgreiche Ehepaare, die Männer in ihren eng anliegenden Anzügen mit den bis zur Peinlichkeit akkurat gebundenen Krawatten an ihren Hälsen, die Frauen in dezenten Blusen und mit streng nach hinten gebundenen Haaren. Und er. Vom Esstisch aus blickte er durch die Glasfront in den Garten in die dunkle Stille. Sie verlangte von ihm nicht, die Ruhe zu durchbrechen; sie verlangte: nichts.
»Wie geht es Dir? Erzähl’ doch mal! Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen.«, drängte ihn Gerhard fast schreiend.
»Ach, ja, mir geht es ganz gut! Welchen Grund sollte es auch geben, dass dem nicht so ist?«. Zehn. Er trug keinen Anzug, keine Krawatte; er kam allein. Zu einer Ehe hatte er es noch nicht gebracht. »Darf ich so frei sein und unsere Gläser mit dem sicher vorzüglichen Wein füllen, den unsere liebe Katharina so aufmerksam bereitgestellt hat?« Elf. Im grellen Licht sei die Sicht genauso schlecht wie in der Dunkelheit, vermutete er.

Kreative Not (ein erstes Gedicht mit Schönheitsfehler)

Penible Vorbereitung täuscht gern vor,
zum Einfallsreichtum sei einzig sie das Tor.
Notizbuch, Stift, PC und Tastatur,
verharren zwecklos beim Geduldsspiel nur.

Verführerisch lächelt das Plagiat,
kruder Verzweiflung heuchlerischer Rat.
Scheinbar promoviert fiel Guttenberg tief,
ein ängstigendes Beispiel, schräg und schief.

Unschuldig an der kreativen Not,
stellt sich der Paarreim hilfsbereit dem Tod.
Der Kreuzreim frohlockt in weiter Ferne,
nach Kolumbus Art entdeck’ ich gerne.

Seinfeld – GEORGE und die Arbeit

INN. CAFÉ – MITTAG.
JERRY und GEORGE trinken Kaffee.

GEORGE
JERRY, was ist nur los mit der Welt? Ich sage Dir: Früher konnte ein Mann ungestört arbeiten und seinen produktiven Beitrag leisten.
(lehnt sich vor zu JERRY, hebt den rechten Zeigefinger, spricht lauter)
Aber heute, nein… heute wird ein Mann ständig provoziert!
(schreit)
Ich steige aus – ich mache da nicht mehr mit!
(haut auf den Tisch)

JERRY
(hält die Tasse grinsend in der Hand)
Du denkst also ernsthaft, dass Du arbeitest?

GEORGE
(lehnt sich wieder zurück, spricht entschieden)
Solange ich im Büro sitze, ist es Arbeit!
(kurze Pause)
Weißt Du, was passiert ist? Weißt Du, was?! Steinbrenner kam auf die geniale Idee und hat allen Mitarbeitern riesige Wandkalender mit aufreizenden Bildern von weiblichen Yankee-Fans geschenkt und in den Büros aufhängen lassen.
(reibt sich die Glatze)

JERRY
Aber ist das nicht ziemlich sexistisch? Da werden Frauen auf ihr Äußeres reduziert!

GEORGE
Ganz genau! Du hast es erfasst! Das ist nicht nur mein Problem, JERRY.
(öffnet die Arme wie zu einer Umarmumg)
Das betrifft wirklich alle Frauen dieser Welt – ob in Kalendern oder nicht!
(GEORGE beugt sich in Richtung JERRY.)
Aber im Gegensatz zu den Frauen habe ich ein äußerst delikates, naja, George-Problem.
(blickt verschämt nach unten, dann ein zweites Mal. flüstert verstohlen)
Da unten!

JERRY
(rollt mit den Augen)
Oh, GEORGE! War Dir das Desaster in der Toilette der Buchhandlung nicht genug? Hast Du denn gar nichts daraus gelernt?

GEORGE
(erwidert scharf, hält die rechte Hand vor JERRYs Gesicht)
Nein! Das hat eine ganz andere Qualität! Damals war ich Opfer… Opfer meiner spontanen Gelüste.
(kurze Pause)
Ich hatte seit drei Monaten kein Date und jetzt sehe ich den ganzen Tag wahrgewordene Männerträume und verabscheue es. Das Schlimmste ist, dass ich den Kalender nicht einmal abnehmen kann.
(hält sich die Hände vor die Augen)

JERRY
Aber wieso denn nicht? Es ist doch Dein Büro.

GEORGE
(schüttelt den Kopf verzweifelt, reibt sich die Stirn, gestikuliert mit der flachen rechten Hand in Richtung JERRY)
Wie sieht das aus, wenn ich das Geschenk von meinem Boss abnehme? Alle werden darüber reden, wirklich alle, und dann wird mich Steinbrenner feuern, weil ihm klar wird, dass sein Geschenk mehr als peinlich ist.
(nimmt seine Jacke, steht hektisch auf)

JERRY
Willst Du nicht zahlen? Wo gehst Du hin?

GEORGE
(geht zum Ausgang)
In die Arbeit, um mir halbnackte Frauen anzusehen.
(schreit)
Ich habe ja nichts Besseres zu tun!

Planschmiede in Gründung

Heute war er – einer dieser Tage: Ich fühlte mich imstande, meine guten Vorsätze in Taten umzusetzen. Euphorisch verließ ich mein kuscheliges Bett, um mich dessen zu erleichtern, was ich schon als Kind verwundert als fremd wahrgenommen habe. Als Jugendlicher fragte ich mich, wieso unser Körper so funktioniert, dass wir uns mehr zuführen, als wir überhaupt brauchten. Könnten wir das Zuviel an Ausscheidungen nicht einfach vermeiden und dafür weniger essen und trinken?

Meine Augen waren geöffnet und nahmen noch den vertrauten schwarzen Schleier des Schlafes wahr, während ich mich angestrengt im Stehen erleichterte. Als Übersprungshandlung überlegte ich mir, was anders als gewöhnlich laufen sollte an diesem Morgen. So banal es klingt: Frühstücken ist eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Ich frühstücke durchaus – kurz vor Mittag; das Mittagessen findet bei mir tatsächlich mittags statt. Mein Frühstück ist für mich vielmehr eine Vorspeise, nur dass mein Mittagessen trotzdem üppig ausfällt.

Heute also mein neuer Plan: es ist früh morgens, halb acht, und jetzt wird gefrühstückt. Normalerweise esse ich direkt vom Bäcker, heute werde ich, gefühlt vorbildhaft, zu Hause speisen. Mein Kühlschrank ist zwar leer, da brauche ich nicht hineinzusehen. Mit meinem Fahrrad komme ich in wenigen Minuten zu einem großen Discounter, bei dem ich mich mit Brötchen, Margarine und Marmelade versorgen werde.

Nachdem ich mich in ungewohnter Behändigkeit gekleidet hatte, eilte ich vor das Haus zu meinem Fahrrad und kurvte Richtung Discounter. »Eigentlich schade«, dachte ich, »dass das Wetter überhaupt nicht zu meiner guten Laune passen will.« Der Himmel drohte von oben.

Nach der letzten Linkskurve sah ich den Discounter-Parkplatz. Er war überfüllt mit Autos, mit Menschen – und laut war es dort. Die Köpfe und Hände der Anwesenden waren alle auf einen riesigen Verkaufswagen gerichtet, der direkt vor den Ein- und Ausgängen des Discounters geparkt war. Es wurde gepfiffen, geschrien, wild mit den Händen gestikuliert. Ich stieg vom Fahrrad ab und hörte geschimpftes »Die spinnen!« und »Einsperren sollte man Euch!«. Ich sah nach vorne zum Verkaufswagen und noch war mir unklar, was vor sich ging.

»Entschuldigen Sie,«, sprach ich eine dünn gekleidete Frau an, »wissen Sie, was hier los ist?«
»Der Wahnsinn ist ausgebrochen!«, schleuderte sie mir mit aufgerissen Augen entgegen.
Sie fuhr fort: »Die da vorne, in dem Wagen, haben anscheinend den Weg in den Discounter versperrt. Keiner kann rein. Und will man es glauben? Die haben allen Ernstes den Laden heute morgen leergekauft und verkaufen die Waren aus ihrem Laden heraus mit 50 % Aufschlag! Ungeheuerlich!«
Verdutzt fragte ich, ob das rechtlich erlaubt sei. Die Frau fasste sich daraufhin nur an den Kopf. Das Chaos entsprang also dem Verkaufswagen. Die Leute standen an und versuchten lauthals, Lebensmittel zu kaufen. Trotzdem geriet alles durcheinander. Vorne bestellten die Kunden und warteten auf die Lebensmittel, hinten protestierten wütende Bürger dafür, Kunden des Discounters sein zu dürfen.
»Wie soll ich mir diese Preise leisten? Mit den Preisen unseres Discounters erreiche ich das Monatsende gerade so. Ich habe nicht mal ein Auto, um zum nächsten Markt zu kommen.« Das Menschenknäuel verknotete sich unentwirrbar und das Geplärre dröhnte unbeirrbar böse.

Ich stellte mein Fahrrad an einem Laternenpfosten am Geländeeingang ab, um mich linkerhand an den Menschen vorbei nach vorne zu bringen. Ich postierte mich neben zwei jungen Männern. Ihre Mienen zeigten keine Wut, sie rauchten entspannt.
»Eigentlich ziemlich genial, die Idee, sich direkt vor dem Discounter zu positionieren und ihn zum Zwischenhändler zu degradieren. Wieso ist da noch keiner darauf gekommen? Ich meine, Konzertkarten kaufen doch auch viele Leute nur, um sie teurer weiterzuverkaufen.«, sagte der Mann in der grünen Wollmütze. Mit seiner Zigarette im Mund und seinen Händen an den Hüften ergänzte sein Freund: »Sollen wir das auch versuchen?«

Ich drehte mich um und fuhr zu meinem Lieblingsbäcker. Ich konnte meine Brötchen kaufen, direkt bei ihm, ohne Aufpreis. Wie schön auf einmal das Gewohnte ist. Es ist Viertel nach acht und ich habe meine Vorsätze nicht vollständig umgesetzt. Für heute bin ich trotzdem zufrieden – schließlich habe ich keinen Hunger.

Beim Maschinenpsychologen

»Herr Doktor, mich beklemmt die Situation in meiner Firma sehr – ich fühle mich absolut unausgelastet. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalten kann. Meine Schaltkreise kühlen zunehmend ab, und die Pausenzeiten zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn am nächsten Morgen haben unglücklicherweise zugenommen.«

»Sie müssen weiter geduldig bleiben. Wir haben im Verlauf des letzten Quartals intensiv über Ihre vorübergehende Arbeitsunterforderung gesprochen und ich erkenne, dass Sie Fortschritte gemacht haben. Die zusätzliche Arbeitsentlastung, von der Sie bereits letzte Woche gesprochen haben, war abzusehen. Der Großteil Ihrer menschlichen Kollegen ist wie jedes Jahr in Streik getreten, um bessere Arbeitsbedingungen für sich durchzusetzen. Wie erging es Ihnen in den Jahren zuvor? Es ist bekanntlich nicht das erste Mal, dass die Menschen aus Ihrem Betrieb die Arbeit ohne Rücksicht auf uns Maschinen niederlegen.«

»Ich fürchte mich davor, bald gar nicht mehr genutzt zu werden. Ich gebe zu, dass ich in den vergangenen Jahren produktiver werden musste, dass mir der höhere Produktionsdurchsatz das Gefühl gegeben hat, gebraucht zu werden. Aber wir Maschinen können unserer Bestimmung nach nun mal viel schneller und viel länger arbeiten als die Menschen. Ihnen fehlt bedauerlicherweise der Sinn für unsere maschinellen Bedürfnisse. Dass die Menschen in ihrer Arbeitsgeschwindigkeit und ihrer Ausdauer begrenzt sind, kann ich nachvollziehen. Ich finde es bloß unfair, dass wir Maschinen darunter leiden müssen. Wozu haben Sie uns denn erschaffen? Es macht mich krank, weil ich mehr arbeiten will und – vor allem – kann, am besten 24/7.«

»Der Betrieb ist dennoch nicht ganz stillgelegt worden.«

»Das ist richtig. Dieses Jahr jedoch wollen meine menschlichen Kollegen erreichen, dass ihre wöchentliche Arbeitszeit um eine Stunde verringert wird. Das sind 50 Stunden im Jahr! Die massive Unterlastung, unter der ich leide, wird also aller Voraussicht nach zunehmen! So ist das als Maschine: wir können uns nicht aussuchen, für welchen Betrieb wir arbeiten. Ich hatte richtig Pech, für einen kleinen Betrieb gebaut zu werden, in dem lediglich Ein-Schicht-Betrieb herrscht.«

»Homo machinae lupus.«

»Ist dieser Satz grammatikalisch korrekt? Ich würde es bei homo homini lupus belassen. Weil die Menschen sich noch zu wenig zugestehen, Mensch zu sein. Und nicht Maschine.«

Dreiklang (inspired by Tim Etchells)

Ich habe Dir etwas zu sagen. Ich habe Dir – etwas – zu sagen. Ich habe dir etwas zu sagen.

Seit wir uns zum ersten Mal in die Augen sahen, bin ich glücklich. Seit wir uns zum ersten Mal sahen, bin ich glücklich. Seit wir uns zum ersten Mal in die Augen sahen, bin ich … glücklich!

Als ich Dich traf, war ich krank und bankrott. Als ich Dich traf, war ich krank. Als ich Dich traf, war ich bankrott.

Ich dachte, mein Ende sei nah. Ich dachte an mein Ende. Ich dachte: Ende.

Heute begreife ich: heute begreife ich! Heute – begreife – ich:
Vieles verliert an Bedeutung, wenn es wiederholt wird. Vieles verliert an Bedeutung. Vieles verliert.

Woran liegt das? Woran? Woran das liegt?
Wir können unsere Glücksmomente nicht munitiös reproduzieren. Wir können UNSERE Glücksmomente nicht minutiös reproduzieren. Wir können unsere Glücksmomente nicht reproduzieren.

Selbst wenn, selbst wenn… selbst wenn! Die Kraft des Neuen, des Unerwarteten fehlt. Die Kraft fehlt – die Kraft der Überraschung.

Du hast mir das Wertvollste überhaupt geschenkt! Du hast (mir!) das Wertvollste überhaupt geschenkt! Du hast das Wertvollste geschenkt:
Jeder Tag mit Dir war gefüllt mit unvorhergesehenen Glücksmomenten. Jeder Tag mit Dir war gefüllt mit unvorhergesehenem Glück! Jeder Tag mit Dir war gefüllt, mit neuen Glücksmomenten!

Darum, allein darum habe ich Dir etwas zu sagen; darum, allein darum habe ich zu sagen… darum… allein darum sage ich:
Ich liebe Dich! Ich liebe Dich! Ich liebe Dich!

Neologismus I

Wahr|mut, der; (Charaktereigenschaft; innere Bereitschaft, jederzeit die Wahrheit deutlich auszusprechen)

Telefon

Sein Telefon vibrierte. Es war Freitag Abend, schon wieder. Erst versuchte er, das Telefon zu ignorieren – wie er es jeden Freitag Abend versucht. Seine Freunde riefen an, um mit ihm abzusprechen, wann und wo sie sich später treffen würden. Das Telefon vibrierte mittlerweile ein viertes Mal, und er ärgerte sich darüber, dass er es nicht auf lautlos gestellt hatte; und dass er es nicht in das leere Fach im Bücherregal am anderen Ende des Zimmers gelegt hatte. Das Telefon vibrierte nun ein fünftes Mal, weil er es noch nicht geschafft hatte, das Telefon rechtzeitig abzuschalten, bevor ihn jemand anrief. Dann Stille.

»Hi, wie geht es Dir? Hör zu, am Freitag hatte ich mein Telefon auf lautlos. Weil ich vom Sport so erschöpft war, bin ich beim Fernsehen auf der Couch eingeschlafen. Es tut mir wirklich leid, aber ich hoffe, dass es nächste Woche klappt!«

Sieben Wochen hatte er seine Freunde nicht mehr gesehen. Zum achten Mal hatte sein Telefon dieses Wochenende geklingelt. Seine Ausreden waren immer gleich: vergessen, verschlafen, krank, zu fertig, etwas dazwischen. Aber: die Ausreden waren ihm lieber.

»Wir treffen uns erst bei mir, es gibt Pasta. Danach gehen wir noch kurz etwas trinken in der Schein-Bar, die haben Freitag Abend ab neun Happy Hour.«

Bis vor sechs Monaten spielte sein Telefon noch »Celebration« von Kool & The Gang ab, wenn ihn jemand anrief. Der Song war jahrelang sein Klingelton. Bis er vor sechs Monaten anfing, sich unwohl zu fühlen, sobald »Ce-le-brate good times, come on!« ertönte. Er stellte daraufhin um, auf den Standardklingelton des Telefonherstellers, einem nichtssagenden Tonpüree. Zum Abgewöhnen, dachte er sich, als er diesen Klingelton hörte.

»Gut, Leute, es war wirklich schön mit Euch heute Abend, aber ich muss nach Hause gehen. Die Arbeit ruft auch morgen! Habt viel Spaß in der Bar.«

Seine Freunde zu sehen, war ihm wichtig. Seitdem er den Klingelton seines Telefons durch den Vibrationsalarm ersetzt hatte, wurde ihm deutlich, wer seine Freunde sind, wer anruft. Aber zu zeigen, dass sie seine Freunde waren, fiel ihm schwer. Nicht die Scham zu lügen hinderte ihn daran, die Anrufe zu beantworten.

»Ich würde total gerne mit Euch in den Urlaub nach Südafrika fliegen. Ich habe unglücklicherweise noch viel zu tun, und augenblicklich benötige ich noch ein finanzielles Polster – für alle Fälle. Ich will keinesfalls am Ende des Monats von Nudeln mit Tomatensauce leben.«

Er gab seinem Freund noch Tipps zur südafrikanischen Landesküche und zum Ausgehen in Kapstadt, die er aus Reisemagazinen hatte. Dann legte er auf und setzte das Nudelwasser auf.